Durch einen Wald aus Postkarten neben einem überdimensionierten Bücherregal sowie historischen Büchern und Objekten präsentiert diese Ausstellung die Ergebnisse eines fünfjährigen Forschungsprojekts, das vom Europäischen Forschungsrat an der ETH Zürich finanziert wurde. “Women Writing Architecture 1700-1900” (kurz WoWA) untersucht, wie Autorinnen im 18. und 19. Jahrhundert durch ihre Schriften zur Architektur beigetragen haben. Das Projekt beginnt mit der Hypothese, dass Schreiben eine räumliche Praxis ist und somit einen der Prozesse darstellt, die die Architektur sowohl als Diskurs als auch als bauliche Manifestation – geschaffen, erlebt, genutzt, und kritisiert – ausmachen.
Jede Postkarte stellt eine Autorin vor mit einem Bild, einem Zitat und einem kurzen Text, der Leben und Wirken erläutert. Wir untersuchen das Potenzial ihrer Arbeit für die Architekturgeschichte und fragen: Was würde ohne sie fehlen? Und was wäre, wenn wir sie schon immer in unsere Forschung einbezogen hätten? Was wäre, wenn diese Texte und ihre Autorinnen bereits früher als relevant für Architekturpraxis und -geschichte gelesen worden wären? Wie würden dann unser Kanon, unser gemeinsames Wissensgerüst, unser kollektives Raumverständnis aussehen? Wir haben unser eigenes Archiv aufgebaut und präsentieren eine grossformatige Installation, ein Bücherregal mit den kommentierten Texten aus den Workshops „Women Writing Architecture 1700-1900”, einschließlich Post-its und Markierungen, die das (Ver-)Lernen dokumentieren, das zur Erweiterung der Geschichtsschreibung erforderlich ist. Drucksachen, Bücher und Zeitschriften, die von Frauen verfasst wurden, sowie historische Illustrationen und Objekte zeigen, dass Frauen schon immer als aktive Akteurinnen der gebauten Umwelt präsent waren. Wir laden Besucher*innen ein, eine Postkarte mit nach Hause zu nehmen und nachzudenken: Was hatte sie zu sagen? Wen haben wir noch übersehen?
Die Ausstellung begleitet das neuerschienene Buch Women Writing Architecture 1700-1900: Expanding Histories, herausgegeben von Anne Hultzsch and Sol Pérez Martínez (gta Verlag, 2025).
Kuratiert von Anne Hultzsch in Zusammenarbeit mit Elena Rieger und Sol Pérez Martínez. Graphic design, Recherche und Ausstellungsaufbau mit Rémi Madrona and Audrey Man. Für dieses Projekt wurden Fördermittel des Europäischen Forschungsrats (ERC) im Rahmen des Programms der Europäischen Union für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ bereitgestellt (Finanzhilfevereinbarung Nr. 949525).
gta exhibitions, Foyer, ETH Zurich, Hönggerberg
Written by Zero Zurich