“Die Macht geht vom Volk aus”, das steht in der österreichischen Verfassung – doch wer ist das Volk, wenn in Wien mittlerweile über ein Drittel der Bevölkerung nicht wahlberechtigt ist? Spielerisch-leicht und voller Humor beschreibt die grosse Doku-Sensation des Filmjahres 2025 eine Tour de Force durchs österreichische Einbürgerungssystem.
Regisseurin Olga Kosanović lebt als Tochter serbischer Eltern seit ihrer Geburt in Österreich, die Staatsbürgerschaft hat sie aber nicht. Nun will sie ganz dazugehören und beginnt einen Behördenlauf, der von regelrecht abstrusen Hürden verstellt ist. Österreich erweist sich zwar als Extrembeispiel (nur wenige Länder haben restriktivere Einbürgerungsgesetze), das System dahinter lässt sich aber wohl fast weltweit anwenden: Abgrenzung schafft ein diffuses Gefühl von Identität und Zusammenhalt, von einem starken Wir-Gedanken. Dazugehören muss folglich verdient werden – egal wie sinnentleert die Anforderungen auch scheinen mögen.
Mit einzigartiger Leichtigkeit, viel Humor und ureigener filmischer Handschrift spürt Kosanović dem Staatsbürgerschaftssystem Österreichs, seinen Abgründen, Absurditäten und Tücken nach. Ein Film wie ein abschreckendes Lehrbuch: Österreich für Anfänger:innen. Willkommen im restriktiven Land der Berge.
Regie: Olga Kosanović
Produktion: Deniz Raunig, April April Filme
Kamera: Rupert Kasper
Schnitt: Jan Zischka
A 2025; 92′ D/e (DCP, Farbe)
Scritto da Zero Zurich