gio 12.10 2017

Dove

Theater Winkelwiese
Winkelwiese, 8001 Zurich

Quando

giovedì 12 ottobre 2017
H 20:00

Quanto

15.00 - 33.00 CHF

Marius von Mayenburg

FULMINANT

Eva und Robert kommen aus den Ferien zurück. Irgendetwas ist beunruhigend anders. Woher kommt die neue Topfpflanze? Warum funktioniert das Licht nicht mehr? Ist das überhaupt ihre Wohnung? Anscheinend nicht, denn das befreundete Paar, das sich um die Pflanzen hätte kümmern sollen, setzt die beiden kurzerhand vor die Tür. Damit beginnt ein alptraumhafter Reigen, in dem die kleine, bürgerliche Welt der vier Protagonisten mehr und mehr aus den Fugen gerät. Von Szene zu Szene vollziehen sich surreale Verschiebungen. Beziehungen lösen sich auf und setzen sich überraschend neu zusammen. Man spannt einander die Partner aus, fällt übereinander her, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei wird über jede noch so grosse Katastrophe hinweg unablässig und lebhaft Normalität behauptet. Ein fulminantes, alptraumhaftes und sehr komisches Stück über die Auflösung letzter sozialer Sicherheiten und die Unberechenbarkeit der Wirklichkeit.

Seit «Feuergesicht» (Kleist-Förderpreis 1997) und der Nominierung durch die Fachzeitschrift Theater heute zum Nachwuchsautor des Jahres 1999 zählt Marius von Mayenburg zu den meist inszenierten Dramatikern seiner Generation. Mit nüchternem Blick seziert er in seinen Stücken zwischenmenschliche Beziehungen und hinterfragt zweifelhafte Normalitäten. Mit «Der Hässliche» und «Der Hund, die Nacht und das Messer» wurden bereits in vergangenen Spielzeiten zwei seiner Stücke erfolgreich am Theater Winkelwiese

PRESSESTIMMEN:

«Es ist wie ein surrealer Alptraum, in dessen Verlauf kleine Verschiebungen dafür sorgen, dass auch die Figuren immer wieder wie der Ochs vorm Berge stehen, bevor alles scheinbar normal in eine andere Richtung weitergeht. Das schlau konstruierte Stück unterwandert die Regeln des Theaters, demaskiert dessen Bedeutungsanspruch sowie unsere Erwartungen und überführt das Ganze in eine spirituelle Metadiskussion. …
Dass die Figuren ihren Text mehrheitlich mit Hochdruck ins Publikum schleudern, mag zwar ihre Irritation unterstreichen, ist aber auf Dauer anstrengend. Ein paar leise Töne hätten diesem schön schaurigen Wer-bin-ich-Spiel mit philosphischem Mehrwert nicht geschadet.»
Isabel Hemmel, Tages Anzeiger vom 2. Oktober 2017

«Es hat gedauert, bis das 2010 an der Berliner Schaubühne uraufgeführte Stück «Perplex» in die Schweiz gekommen ist. …
Der Intendant Manuel Bürgin inszeniert zur Spielzeiteröffnung den 100-minütigen Figurenreigen. Er macht daraus eine süffige Schmonzette, die ins Philosophische kippt, in Abgründe fällt und in der Dekonstruktion des Theaters mündet.
… Ein absurder Höhepunkt ist folgender: Die dreiköpfige Familie macht Skiferien. Die Ferienwohnung entpuppt sich als «Nazi-Absteige», was Eva und Sebastian in die Flucht schlägt. Der Sohn Robert hingegen findet in einem Schrank eine SS-Uniform, die er überzieht. Bevor ihm dies Probleme bereiten könnte, befinden wir uns in einer Szene, in der sich das neu formierte Paar Judith und Robert für eine Kostümparty mit dem Motto «Nordische Nächte» vorbereitet. Robert solle bitte nicht so etwas Eindeutiges wie die SS-Uniform anziehen, sondern etwas «Ambivalent-Oszillierendes», das einen «Assoziationsraum» eröffne. Wir lachen über Robert in der SS-Uniform und schmunzeln über die gestelzte Sprache von Judith – wird hier nicht die Wortwahl von Theaterkritikern persifliert? Der Regisseur beweist beim folgenden Maskerade-Akt Tiefsinn und Witz, wenn er mit drei schrägen Sexszenen den klassischen Paartausch karikieren lässt.»
Katja Baigger, NZZ vom 1. Oktober 2017

Regie Manuel Bürgin
Mit Nicolas Bathyany, Vivianne Mösli, Dominique Müller, Elisabeth Rolli
Bühne und Kostüme Luisa Beeli
Licht und Technik Tashi-Yves Dobler López und Paul Schuler
Eigenproduktion Theater Winkelwiese
Gefördert durch MIGROS-KULTURPROZENT, SIS Schweizerische Interpretenstiftung, Walter Haefner Stiftung (Stand Mai 2017) Afführungsrechte Henschel Schauspiel, Berlin
Fotos: Ingo Höhn