dom 05.11 2017

Dove

Opernhaus Zürich
Falkenstrasse, 8008 Zurich

Quando

domenica 05 novembre 2017
H 19:00

Quanto

29.00 - 270.00 CHF

Kurt Weill (1900-1950), Bertolt Brecht (1898-1956)
Oper in drei Akten

Musikalische Leitung Fabio Luisi, Inszenierung Sebastian Baumgarten, Bühnenbild Barbara Ehnes, Kostüme Joki Tewes, Kostüme Jana Findeklee, Lichtgestaltung Elfried Roller, Video-Design Chris Kondek, Choreographische Mitarbeit Kinsun Chan, Choreinstudierung Janko Kastelic, Dramaturgie Claus Spahn

Leokadja Begbick Karita Mattila
Willy, der Prokurist Michael Laurenz
Dreieinigkeitsmoses Christopher Purves
Jenny Hill Annette Dasch
Paul Ackermann Christopher Ventris
Jakob Schmidt Iain Milne
Heinrich, genannt Sparbüchsenbill Cheyne Davidson
Josef, genannt Alaskawolfjoe Ruben Drole
Tobby Higgins Jonathan Abernethy

Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich

In deutscher Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Wer in Mahagonny keinen Spass hat, dem ist nicht zu helfen. Denn in der Paradiesstadt, die in der Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill errichtet wird, ist alles erlaubt. Genuss ohne Grenzen, Rausch bis zum Exzess. Fressen, Boxen, Saufen, Liebe machen – alles geht. Nur eines ist streng verboten: Am Ende nicht zahlen zu können. Diese Erfahrung macht der Glückssucher Paul Ackermann und kommt dafür auf den elektrischen Stuhl. Die Mahagonny-Oper von Brecht/Weill ist ein grossformatiger Bilderreigen aus der Werkstatt des epischen Musik-Theaters: anarchisch rumorend und gesellschaftskritisch ätzend. Kurt Weills scheinbar simple, aber immer doppelbödige Musik etabliert zwischen eingängigen Songs, hohem Opernton, Shimmy- und Foxtrott­ Adaptionen und Choralpersiflagen einen schrägen Schwung beim Tanz über dem Abgrund. Die Oper sei kulinarisch, schrieb Brecht, aber sie stelle das Kulinarische auch zur Diskussion. Sie greife die Gesellschaft an, die solche Opern benötige. Sie ist Oper und Anti-Oper zugleich und endet mit dem Untergang des «Du darfst»-Paradieses: Es erstickt an sich selbst. Seit der Uraufführung im Jahr 1930, die zu einem der grössten Skandale der Operngeschichte geriet, hat Mahagonny nichts von seiner Aktualität eingebüsst.Die Gesetze der menschlichen Glückseligkeit, die Paul Ackermann im Moment einer grossen Krise findet, lesen sich heute wie ein Hohelied auf den Turbokapitalismus des 21. Jahrhundert: «Nimm dir das Geld, du darfst es!»

Unsere Neuproduktion wird vom Brecht-erfahrenen Regisseur Sebastian Baumgarten in Szene gesetzt, der vor zwei Jahren am Opernhaus Zürich mit Wolfgang Rihms Hamletmaschine einen grossen künstlerischen Erfolg verzeichnete. Kann es für die schillernde Charakterrolle der Witwe Begbick eine attraktivere Besetzung geben als den Sopranstar Karita Mattila? Die finnische Grande Dame singt zum ersten Mal in einer Opernproduktion am Opernhaus Zürich und debütiert in der Partie der resoluten Stadtgründerin und Puffmutter. Die grossartige deutsche Sopranistin Annette Dasch gibt ihr Rollendebüt als Hure Jenny. Fabio Luisi dirigiert eines seiner Wunschstücke.