Jean-Frédéric Schnyder

1. September bis 5. Oktober 2019

Scritto da Zero Zurich il 21 agosto 2019

Vernissage am Samstag, den 31. August, 12.00 bis 15.00 Uhr

Galerie Eva Presenhuber freut sich, die siebte Einzelausstellung des Schweizer Künstlers Jean-Frédéric Schnyder zu präsentieren.

Seit Schnyder (geboren 1945 in Basel) in den späten 1960er Jahren mit experimentellen Objekten im Kontext der Pop-Art begann, hat er ein breites Werk geschaffen, das Fotografie, Skulpturen, Malerei, Objekte und Installationen umfasst. Seine konzeptuellen Arbeiten zeichnen sich zudem durch ihre komplette Verschiedenartigkeit aus. In den 1970er Jahren entstanden die ersten Gemälde, seitdem ist ein breit gefächertes malerisches Werk vor allem kleinformatiger Serien entstanden.

1972 nahm Schnyder an der Documenta 5 in der Abteilung Individuelle Mythologien teil. Seine Arbeit bestand aus einer Sammlung von 10 Ordnern: Farbstufe weiß-violett in 1000 Tönen. Dieses Konzept, eher das Gewöhnliche als das Ungewöhnliche akribisch aufzulisten, zeigt sich auch in seinen späteren Arbeiten. In den 1980er Jahren schuf er die Serie Berner Veduten, die aus 128 Gemälden besteht. Dabei eignete er sich einerseits den Stil und Motive von Künstlern wie Ferdinand Hodler an und spielte als Freilichtmaler andererseits die Rolle des wunderlichen Künstlers, dessen Tätigkeit von vorbeigehenden Passanten kommentiert wurde. Diese Form der seriellen, bis zur Absurdität methodischen Malerei setzte er mit Motivserien von öffentlichen Bänken, Wartesälen in Bahnhöfen und Ausblicken von Autobahnbrücken fort. In den Serien zeigt Schnyder das Allgegenwärtige in einer naiven Weise. Zugleich führt er Banales und Heroisches eng, indem er die Motive in einer geradezu klassischen Weise arrangiert und sich damit traditioneller Mittel der Kunstgeschichte bedient. So kreuzt etwa ein roter LKW die Straße in genau dem Moment, den Schnyder festhält, was den eigentlich zufälligen Augenblick auf eine dramatische Weise idealisiert.

In seiner Aktualisierung der Freilichtmalerei ist Schnyder immer auch selbst ein performativer Teil der Arbeit, indem er öffentlich hinter seiner Staffelei steht und auf der Leinwand festhält, was er vor sich sieht. Seine Arbeit wird so zu einer außergewöhnlichen Suche nach dem Gewöhnlichen, deren Ergebnis einerseits eher suchende Bewegung als vorher definiertes Ergebnis ist und andererseits in ihrer seriellen Geplantheit an das Tagwerk eines Handwerkers erinnert.
Für die Ausstellung hat Schnyder 26 Serien unter dem Namen kleine Bilder produziert – eine für jeden Buchstaben des Alphabets – die jeweils aus 6 kleinformatigen Gemälden bestehen, von denen jedes in einen kleinen Karton passt und diese sechs Kartons wiederum in einen größeren Karton. Alle 156 Gemälde (Öl auf Sperrholz) wurden in einem Raster gemalt und vermitteln den Eindruck von digital gepixelten Bildern mit niedriger Auflösung. In ihrer Einfachheit erinnern sie an Piktogramme und wecken im Betrachter die Erwartung eines schematisch dargestellten Objekts oder einer Handlungsanweisung. Dabei scheint aber weder jedes Bild eine deutliche Aussage zu haben noch scheinen einige Bilder überhaupt etwas darzustellen. Manche oszillieren zwischen bekannten Objekten wie zum Beispiel von Tischdecken, während andere einfach nur abstrakte Muster zeigen.

Einige der Sechser-Serien haben einen nachvollziehbaren Zusammenhang, wie zum Beispiel im Fall der Serie D, die Blumendarstellungen versammelt, während die Kategorisierung anderer Serien unklar bleibt.

Motive wie Blumen, Sonnenuntergänge, typische Schweizer Häuser oder Interieure sind schon lange teil von Schnyders visueller Sprache. Die meisten von ihnen nutzte er bereits in vorangegangen Arbeiten, die stilistisch realistischer waren als die Pixelbilder und sich mit stilistischen Anspielungen in die Malereigeschichte einschrieben. Die Blumen sind motivisch wie stilistisch allerdings ein reines Selbstzitat: In den 1990er Jahren malte Schnyder Blumen in der gleichen Weise und verband die damals aufkommende digitale Welt spielerisch mit der analogen.

Neben den Bildern zeigt Schnyder Skulpturen, die aus Bananenkartons bestehen: Architekturstudien von Wolkenkratzern, kleine Häuser, die an Hütten erinnern, verschiedene Kirchen und eine abstrakte Stadtlandschaft. Aus Bananenkartons und den dazugehörigen Klammern, die sie zusammenhalten, besteht die Skulptur CHIQUITA, die an eine Vitrine erinnert und schmuckartige Objekte enthält. Daneben wird die 22teilige raumfüllende Lampeninstallation Hüter der Schwelle gezeigt.
Die Wolkenkratzer-Skulptur ist ein weiteres Selbstzitat, das sich auf Schnyders Arbeit Empire State Building von 1971 bezieht – ein Modell des Gebäudes, das er aus Legosteinen und Kaugummi herstellte. Indem Schnyder die Legosteine in der neuen Arbeit durch Bananenkartons ersetzt, benutzt er statt eines alltäglichen Objekts dessen Transporthülle. Zusammen mit den Gemälden, die aus Pixeln bestehen – Behälter für minimale Farbinformationen – und die er in Kartons verpackt,unterstreicht Schnyder die Bedeutung von Verpackungen, Kartons und Transportsystemen: Als würde er sein Werk, auf das er mit den abermaligen seriellen Formen, den Sonnenuntergängen und den Blumen als Selbstzitat anspielt, in einem sprichwörtlichen Behälter zusammenfassen. Dementsprechend sind die Gemäldeserien in alphabetischer Reihenfolge von A bis Z angeordnet – von Anfang bis Ende – und enthalten alles, was sein Werk konstituiert, in einer reduzierten verpixelten Version. Mit einer weiteren 27. Serie, die den Titel kleine Bilder (Anhang A-Z ) trägt, vervollständigt er das alphabetische System und führt es gleichzeitig ad absurdum. Die Farben für diese Serie sind Reste, die von den 26 kleine Bilder Arbeiten übrig geblieben sind. kleine Bilder (Anhang A-Z ) enthält somit ganz buchstäblich alle anderen Serien und stellt zudem ihren buchstäblichen Anfang und ihr Ende dar. Die sechs Arbeiten der Serie sind die einzigen, die nicht im Pixelraster gemalt wurden und ihre expressiven, mit Spachtel aufgetragenen Farben, irritieren und überwinden das System zugleich.

Jean-Frédéric Schnyder wurde 1945 in Basel geboren und lebt und arbeitet in Zug (Schweiz). Seine erste Ausstellung organisiert von Eva Presenhuber in der Galerie Walcheturm, Zürich, fand 1993 statt, eine weitere im Jahr 1996. Bei Galerie Hauser & Wirth & Presenhuber, Zürich, folgte eine Einzelausstellung im Jahre 1999. Bei Galerie Eva Presenhuber, Zürich, hatte Schnyder Einzelausstellungen in den Jahren 2004 und 2010. 2018 zeigte Eva Presenhuber/New York in einer Einzelausstellung die Werkgruppe Am Thuner See. Schnyder nahm an bedeutenden internationalen Ausstellungen teil wie der 55. Biennale di Venezia, Venedig, 2013; der Biennale de Paris, Paris, 1985 und 1971, der Documenta 5, Kassel, 1972; und der Documenta 7, Kassel, 1982. Einzelausstellungen in wichtigen Museen fanden zuletzt u.a. statt im Kunsthaus Zürich, Schweiz, 2014; im Kunstmuseum Bern, Schweiz, 2013; Ca’ Corner della Regina Venice, Venedig, Italien 2013; Le Consortium, Dijon, Frankreich, 2012; im The Swiss Institute / Contemporary Art, New York, USA, 2011. Zu den Gruppenausstellungen in bedeutenden Institutionen gehören u.a. Zeitgeist: Mamco – musée d´art moderne et contemporain, Genf (2017), Das Fotobuch und seine Autoren: Swiss National Library, Bern (2015), Drawings from the Ringier Collection Chapter I: Villa Flora Winterthur – Sammlung Hahnloser, Winterthur (2015), Ferdinand Hodler, Jean-Frédéric Schnyder: Kunsthaus Zürich (2014).