Im Dialog mit Raqs Media Collective
Das Disobedience Archive ist ein sich stetig wandelndes Videoarchiv ohne festen Standort, das 2005 von Marco Scotini initiiert wurde. Es umfasst über hundert Dokumentar- und Kunstfilme an der Schnittstelle von Kunst und Aktivismus: Alle zeigen Formen des Widerstands, des sozialen Kampfes und der kollektiven Selbstorganisation. Ereignisse, Stimmen und Gesten treten in neue Konstellationen und eröffnen vielfältige Sichtweisen sowie Interpretationen, statt auf einer einzigen Wahrheit zu bestehen.
Unter dem Titel Disobedience Archive (Canopy for Broken Time) ist mit fünfzig Filmdokumenten die bisher ausführlichste Präsentation zu sehen. Die Auswahl an Arbeiten antwortet auf die Brüchigkeit unserer Gegenwart: ökologische Krisen, politische Polarisierung, technologische Beschleunigung und anhaltende globale Konflikte.
Raqs Media Collective wurde eingeladen, sich mit dem Disobedience Archive auseinanderzusetzen. Zeit ist für das Kollektiv ein zentrales Thema. Sie fragen deshalb: Wie kann Zeit jenseits der starren, von der Uhr bestimmten Struktur erlebt und dargestellt werden?
Die Ausstellung begegnet der brüchigen Gegenwart mit offenen Raumstrukturen. Ausgangpunkt ist das Shamiana, ein provisorisches, leicht aufzuspannendes Zeltdach, das im südasiatischen Raum eine wichtige Rolle im Alltag einnimmt. Unter einem Shamiana wird gegessen, gefeiert und getrauert – und man schliesst sich zum Protest zusammen.
Die einfache Überdachung wird zum Symbol der Zusammengehörigkeit. Denn – in den Worten von Raqs Media Collective – zusammen unter dem Shamiana zu sein bedeutet , eine Gemeinschaft zu werden und die Welt nicht in Stunden, sondern in Gesten der Aufmerksamkeit zu messen.
SENSIBLE INHALTE:
In der Ausstellung können sensible Inhalte vorkommen, die verstörend wirken können: darunter die Thematisierung und/oder Darstellungen von Gewalt, Tod, Krieg oder Nacktheit. Für Kinder wird der Besuch deshalb nur in Begleitung von Erwachsenen empfohlen.
Kuratiert von Marco Scotini in Zusammenarbeit mit Nadia Schneider Willen, Tasnim Baghdadi und Yasmin Naderi Afschar
Mit Unterstützung von Paula Thomaka, Alessia Riva und Mirta Gianocca
Mit Samir Abdallah, Ravi Agarwal, Navjot Altaf, Atelier d’Architecture Autogérée (AAA), Atelier Impopulaire, Petra Bauer, Ege Berensel, Bernadette Corporation, Ursula Biemann, Wang Bing, Black Audio Film Collective, Seba Calfuqueo, Simone Cangelosi, Libia Castro & Ólafur Ólafsson, Mao Chenyu, Sim Chi Yin, Cooperativa Cráter Invertido, Critical Art Ensemble, Chto Delat, Ali Essafi, Marcelo Expósito, Harun Farocki und Andrei Ujica, Maria Galindo und Mujeres Creando, Alberto Grifi, Raphaël Grisey und Bouba Touré, Grupo de Arte Callejero, Grupo Etcétera…, Barbara Hammer, Khaled Jarrar, Sara Jordenö, Sanjay Kak, Karrabing Film Collective, Bani Khoshnoudi, Pedro Lemebel, LIMINAL und Border Forensics, Silvia Maglioni und Graeme Thomson, Angela Melitopoulos, Carlos Motta, Zanele Muholi, Pınar Öğrenci, Daniela Ortiz, Paloma Polo, Oliver Ressler, Mia Eve Rollow & Caleb Duarte, Güliz Sağlam, Tita Salina & Irwan Ahmett, Roy Samaha, Urbonas Studio, Mohanad Yaqubi, Želimir Žilnik
Und Arbeiten von Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, Ursula Biemann und Graciela Carnevale aus der Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst
Geschrieben von Zero Zurich