gio 25.07 2019 – sab 27.07 2019

Bodies, Cultures

Dove

TART
Gotthardstrasse, 8002 Zurich

Quando

giovedì 25 luglio 2019 – sabato 27 luglio 2019

kuratiert von Matthias Pfaller

Die Ausstellung “Bodies, Cultures” präsentiert die Arbeiten der chilenischen Künstler Zaida González Ríos und Sebastián Calfuqueo Aliste.

Beide thematisieren in ihren Werken die kulturelle Konstruktion von Körpern und deren Geschlecht, Sexualität, politische Rechten und bildlichen Darstellungen in der Gesellschaft.

Calfuqueo verarbeitet in seinen Werken unmittelbar seine persönlichen Erfahrungen als Feminist und Mapuche. Während in der indigenen Kultur Chiles Stammesmitglieder mit spektralem Geschlecht als Wesen mit erweitertem Bewusstsein und besonderer Auffassungsgabe oft in der Position eines Schamanen standen, sind sie in der christlichen Kultur der Eroberer und heutzutage westlichen Gesellschaft eine sozial und rechtlich benachteiligte Gruppe.

Dies erstreckt sich auch auf ihre unmittelbare körperliche Gestalt, die als solche als kulturell “anders” und stereotypisiert dargestellt wird. Hierfür steht die Arbeit “Gato por liebre”, eine Reihe von Abgüssen einer Plastik-Figur des Caupolicán, eines Stammesführers zu Zeiten des Konquistadoren Pedro de Valdivia und Symbolfigur in der Geschichte der Mapuche sowie der Kolonisatoren.

González spricht ebenso aus ihrer subjektiven Position einer Frau in der patriarchalischen Gesellschaft Chiles. Das Unbehagen, dass sie für sich klar formuliert, entsteht aus ihrer Sicht aus den unterdrückten Gefühlen ihrer Mitmenschen, die durch unerfüllbare Konsumwünsche und Rollenbilder in einer freien Äusserung ihrer Persönlichkeit gehindert werden. Ein Beispiel, welches die Künstlerin explizit nennt, ist die unausgesprochene Sexualität von Frauen, besonders in fortgeschrittenem Alter und jener, die nicht einem Schönheitsideal entsprechen. Dafür lässt sie in ihren bunten, surrealistischen Fotografien und Foto-Installationen die öffentlichen sozialen Grenzen hinter sich und schafft eine vielfältige Bilderwelt, in der kein Geschlecht und kein Verhaltensmuster stabil ist.

Was González und Calfuqueos Arbeiten in Angriff nehmen, ist die Kategorisierung des Körpers in Geschlecht, sexueller Identifikation, ethnischer Abstammung, kulturellen Rollenbilder, und kulturellen Symbole. Was ihre Werke aber zeigen sind einerseits die Zwischentöne fixierter Identitäten und andererseits die Brüche, die entstehen, wenn die Kategorien in unserer Gesellschaft aufweichen.

Was in der Schweiz zumindest politisch keine Brisanz darstellt, ist in anderen Ländern weiterhin eine Kampfzone der Freiheitsrechte und kultureller Anerkennung. Allerdings erweist sich das Verhältnis zwischen der Schweiz und Chile nicht als schwarz und weiss, als Pole der breiten Aufgeklärtheit und sozialer Brennpunkte. Gerade die Vorbildfunktion birgt Probleme in sich, deren wir uns nicht bewusst sind. Wir müssen uns die Fragen stellen: Welche Bilder vermitteln wir aus unserer westlichen Kultur an andere Regionen? Sieht cross-dressing immer so aus wie in der Show Rupaul’s Drag Race? Ist eine sexuell tolerante Gesellschaft gleich die der Street Parade oder der Fernsehserie Modern Family? Übertünchen wir nicht sofort wieder eine Vielzahl an kulturellen Unterschieden wenn wir unsere Geschlechter-Formen exportieren, weil z.B. unsere kulturelle Vielfalt die Erfahrungen der indigenen und mestizo Bevölkerung Lateinamerikas gar nicht kennt und ausdrücken kann? Die Präsentation von González und Calfuqueos Kunst in Zürich soll auch uns in unserem Verständnis von Körperpolitik und -Kultur aus anderen Regionen erweitern.

Scritto da Zero Zurich