Mohamed Bourouissa ist ein Porträtist unserer Zeit – Geschichtenerzähler und Erfinder zugleich. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen Menschen. Er schafft Räume, die uns das Leben jener näherbringen, die in den dominierenden Medien, Politik und Kunstgeschichte meist aussen vor bleiben.
In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz lädt Bourouissa das Publikum auf eine Reise ein: von Blida in Algerien, wo er geboren wurde, über die Pariser Banlieue, wo er heute lebt, nach Osnabrück in Deutschland, wo das bewegte Leben seiner Tante Noubia Meyer endete. Filme, Animation, KI, Fotografien und Objekte bilden die Stationen dieser Reise, eingebettet in immersive Raumerfahrungen. Im Zentrum steht Bourouissas neuester Film Noubia, der auf dem fotografischen Nachlass seiner Tante Noubia aufbaut, den sie ihm nach ihrem Tod vermacht hat.
Bourouissas Arbeiten sind mal dokumentarisch, mal fiktiv, bauen aber immer auf erlebte Erfahrungen – Erfahrungen des Künstlers selbst oder von Menschen, die ihm nahestehen: seine Freund*innen und Bekannten in den Pariser Banlieues oder die maghrebischen Communities in Gennevilliers, ein Langzeitpatient der psychiatrischen Klinik in Blida, oder Mitglieder seiner Familie. Dazu gehören Noubia, seine Tante, die als Sexarbeiterin von Blida nach Deutschland migrierte; die entfernte Cousine Alyssia, die sich Stereotypen und Darstellungsmuster muslimischer Frauen widersetzt, und auch eine weitere Tante, die ihr Leben lang in Blida blieb und dort ihren Beitrag zur Gemeinschaft leistet. Pour Noubia ist eine Widmung an sie alle.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit unveröffentlichten Fotoserien von Mohamed Bourouissa und Texten von Oriane Durand, Yasmin Naderi Afschar, Kathleen Rahn und Marie Robin in Englisch, Deutsch, Französisch und Arabisch. Herausgegeben von Mousse Publishing, Migros Museum für Gegenwartskunst und Museum Marta Herford.
Eine Kooperation zwischen dem Museum Marta Herford und dem Migros Museum für Gegenwartskunst. Die Ausstellung Mohamed Bourouissa – Pour Noubia fand vom 13. September 2025 bis 18. Januar 2026 im Museum Marta Herford statt und wurde von Oriane Durand kuratiert.
Geschrieben von Zero Zurich